Es ist offensichtlich, dass die Deutsche Bahn in einer großen Krise steckt. Züge kommen zu spät, Bahn-Mitarbeiter streiken und das Geld geht aus. Aber was steckt wirklich dahinter? Die Bahn meint: Hierfür verantwortlich sind meistens Baustellen und technische Probleme.
Die Pünktlichkeitsquote sinkt enorm. Im Januar 2018 lag diese noch bei 82 Prozent. Im Jahr 2025 waren es nur noch 52,9 Prozent. Aber Baustellen? Das passiert jeder anderen Bahngesellschaft doch auch. Also warum kommen Züge in Deutschland so spät?
Gehen wir dafür zurück in das Jahr 1988. Dort wurde das Interregio-Netz ins Leben gerufen. Dieses Interregio-Netz ist das, auf dem Langstrecken- und Regionalzüge zusammen auf einer Strecke fahren. Also, wenn zum Beispiel auf der Strecke Hamburg-Lüneburg gebaut wird und diese gesperrt ist, fallen alle Züge auf dieser Strecke aus, da es eben nur diese eine Strecke gibt. Dazu kommt noch, dass Langstreckenzüge langsamer fahren müssen oder sogar anhalten müssen, wenn eine Regionalbahn im Weg ist. Da die Regionalbahnen durch kleine Orte fahren müssen, entstehen so große Umwege für die Langstreckenzüge.
Es stimmt zwar, dass die Baustellen ein Problem sind, aber die Probleme entstehen daraus, dass die Baustellen so kurzfristig gestartet werden, dass sie meist nicht einmal im Fahrplan stehen. Die Baustellen werden auch so geplant, dass viele Baustellen gleichzeitig betrieben werden. Das liegt daran, dass in Deutschland Jahrzehnte lang das Schienennetz vernachlässigt wurde und jetzt alles auf einmal repariert werden muss. Zum Vergleich, die SBB (Schweizerische Bundesbahnen) erneuert konsequent kleine Abschnitte einer Strecke egal, ob diese saniert werden müssen oder nicht. Bei uns in Deutschland werden immer gleich riesige Strecken saniert (z.B. Hamburg-Berlin), wodurch täglich hunderte Verbindungen ausfallen.
Bei der Deutschen Bahn sind leider meistens winzige Umsteigepuffer geplant, sodass wenn Züge verspätet sind, meist der nächste Anschlusszug noch warten muss, der dann wieder zu spät ist. Laut vertraulichen Quellen lässt die Deutsche Bahn gezielt Züge mit großen Verspätungen ausfallen, da die Verspätungen so nicht in die Statistik eingerechnet werden.
Zum Vergleich: Die JRG (Japan Railways Group) trennt Hochgeschwindigkeitszüge, wie den Shinkansen von dem Regionalen Schienennetz ab. Zudem werden Züge innerhalb weniger Minuten geprüft und gewartet.
Am 1. Oktober 2025 wurde die neue Bahnchefin Evelyn Palla eingestellt. Sie hat einen kompletten Neustart der Deutschen Bahn angekündigt. „2026 soll das Jahr des Umbaus werden“, so Evelyn Palla wörtlich. Sie hat fast die Hälfte aller Top-Führungskräfte entlassen und jetzt gibt es 30% weniger Stellen in der Zentrale der Bahn. Außerdem plant sie, ein besseres Kundenerlebnis, also bessere Fahrgastinfos sowie mehr Sauberkeit und Sicherheit.
Allein das neue Schienennetz kostet 20 Milliarden Euro jährlich. Die Kosten für das Kundenerlebnis betragen zusätzlich knapp 140 Millionen Euro pro Jahr.
Geplant ist auch ein komplett neues, erweitertes Schienennetz, mit zum Beispiel einer direkten Fernzug-Verbindung von großen Städten. Laut Evelyn Palla dauert diese Neuerungen mindestens noch zehn Jahre. Aber bald schon soll man als Fahrgast Änderungen zu spüren bekommen.
